Die Veredelung ist eine wichtige vegetative Vermehrungsmethode für Bäume und Sträucher, da der Erhalt der gewünschten Eigenschaften ansonsten nicht gewährleistet ist.

Weshalb veredeln? 

Es ist die effektivste Methode, um Pflanzen sortengerecht zu vermehren. Denn wird eine Pflanze mittels Samen aufgezogen, entstehen nur selten Nachkommen mit den gleichen Eigenschaften der Eltern. Es handelt sich also um eine vegetative Vermehrungsart, im Gegensatz zur generativen mittels Samen, welche ungleiche Nachkommen hervorbringt.

Edelreis und Veredelungsunterlage 

Beim Veredeln von Pflanzen entsteht aus zwei Pflanzenteilen eine einzige, welche die vom Menschen gewünschten Eigenschaften aufweist. Die beiden Teile werden als Edelreis und Unterlage bezeichnet. Das Edelreis ist das wenige Zentimeter lange Teilstück einer Rute der Edelsorte und stammt von einer auserlesenen Kulturpflanze. Die Veredelungsunterlage, der Teil mit den Wurzeln, besorgt die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Sie beeinflusst das Wachstum der neu zusammengefügten Pflanze. Das Edelreis beeinflusst die Veredelungsunterlage nur wenig. Zwischen Edelreis und Veredelungsunterlage muss eine enge verwandtschaftliche Beziehung bestehen, um ein dauerhaftes Zusammenwachsen zu ermöglichen.

Veredelung

Für Veredelungen im Winterhalbjahr ist es darüber hinaus hauptsächlich die Qualität der Edelreiser, welche den Anwachserfolg bestimmt. Es eignen sich nur gesunde, völlig ausgereifte Edelreiser, welche sich in der absoluten Winterruhe befinden müssen. Werden die Reiser zu früh geschnitten, vor Weihnachten, haben sie je nach Witterung im Herbst noch ungenügend abgeschlossen und können bei der Lagerung bis zur Veredlungszeit im April/Mai leiden. Ein sehr wüchsiger, langer Herbst, welcher das Holz schlecht und erst sehr spät ausreifen lässt, ist ungünstig. Es wird angenommen, dass hier oft der Grund eines Misserfolges insbesondere bei Steinobstveredelungen liegt. Andere Obstarten sind da weniger empfindlich. Andererseits sind zu spät geschnittene, schon bald im Saft stehende Edelreiser ebenfalls ungeeignet. Sie treiben zu rasch aus und müssten aus ihren eigenen Reserven heraus den Austrieb versorgen, bis erste Verwachsungen den Saft- und Stofftransport von der Veredelungsunterlage her ermöglichen. Da der Saftstrom immer von unten nach oben erfolgt, vertrocknet ausgerechnet stets der untere Bereich des Triebstückes zuerst und das Reis kann nicht mehr austreiben.

Lagerung Edelreis

Für die Lagerung der Reiser von Januar bis zum Veredlungszeitpunkt eignen sich kühle, schattige Stellen im Garten. Eingeschlagen wird vorteilhaft in reinen feuchten Sand, wobei die Reiserbasis um gut Handbreite mit Sand überdeckt sein sollte. Auch im unteren Teil eines Kühlschrankes ist eine sichere Lagerung möglich. Die Reiser kommen in einen fest verschliessbaren Polyethylenbeutel, in welchen feuchter Torf oder Sand gegeben wurde. Die Lagertemperatur sollte +1 Grad C bis +2 Grad C betragen. Etwa alle zwei Wochen ist der Beutelinhalt auf Pilzbefall zu kontrollieren. Bei im frei en Boden fest eingewachsenen Pflanzen sollte im Veredlungszeitpunkt die Veredelungsunterlage schon im Saft stehen, nicht aber das Edelreis. So wird an der Veredlungsstelle rasch Wundgewebe bebildet, das bei den ersten Regungen das Edelreis mit Saft versorgen kann, bevor es vertrocknet.

Veredelungstechniken

Wie die Veredelungsunterlage und das Edelreis miteinander verbunden werden, hängt von der Veredelungstechnik ab. Man unterscheidet unter anderem zwischen Okulation sowie Kopulation. Aber auch das seitliche Anplatten bzw. Einspitzen oder die Geissfussveredelung sind gängige Methoden. In unserem Fachkurs, welcher meist im Januar stattfindet, erfahren Sie viele spannende Details zu den verschiedenen Techniken.